Unterweisung an elf Standorten
Zu seinem siebzigsten Geburtstag schuf sich Bazon Brock sein ureigenes Theoriegelände mit elf Kleininszenierungen für elf Stationen in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz.
Szenografie, Design, Architektur
Unterweisung an elf Standorten
Zu seinem siebzigsten Geburtstag schuf sich Bazon Brock sein ureigenes Theoriegelände mit elf Kleininszenierungen für elf Stationen in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz.
Kronleuchter für das ehemalige Gästehaus der Villa Hügel, Essen
Für das Kleine Haus der Villa Hügel entwickelte das Büro Steiner einen Kronleuchter in emblematischer Gestaltungssprache. Zwölf mattierte Mineralglaszylinder nehmen jeweils eine Minihalogenlampe mit je 50 Watt Leistung auf.
Dortmunder Actien-Brauerei
Am Ursprungsort, der Hansa-Brauerei in der Nordstadt, werden heute alle Dortmunder Marken gebraut – und das in der ehemaligen Bierstadt Europas. Das Maschinenhaus von 1910 und eine mit ihm verbundene Maschinenhalle aus den frühen 1970er Jahren werden über ein ebenerdiges früheres Durchgangshaus erschlossen, das als Scharnier zwischen Ober- und Untergeschoss und als Eingangshalle fungiert.
Luisenhütte Balve, Balve-Wocklum
Es gleicht einem Wunder, dass die Luisehütte als ältester Hochofen Deutschlands weitgehend in der Ausstattung des 19. Jahrhunderts vorhanden ist. Umso wichtiger ist eine zeitgemäße Musealisierung, die es ermöglicht, die Objekte trotz des saisonalen Betriebs in ihren klimatisierten Vitrinen ganzjährig zu verwahren und mit ausgesuchten interaktiven Elementen die Geschichte der Eisengewinnung und des Eisengusses spannend zu erzählen.
Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen, Oranienburg
Die Gedenkstättenleitung beabsichtigte, die lange Zeit nicht zugängliche ehemalige Häftlingsküche zu einem Ausstellungs- und Versammlungsraum umzunutzen.
Adaption des so genannten Ulmer Hockers
Der Schweizer Designer, Architekt und Künstler Max Bill entwarf 1955 zusammen mit Hans Gugelot den so genannten Ulmer Hocker (1. Bild). Das einfache Möbelstück, das Vitra noch heute produziert und erfolgreich vertreibt, besteht aus zwei senkrechten Brettern, die mit einem waagrechten Brett verzahnt und einem Rundstab unten zusammengehalten werden.
Optimierung und Ausstellung
Die kurz vor dem 1. Weltkrieg von Edmund Körner erbaute monumentale Synagoge war dank der massiven Bauweise mit innovativer Verwendung von Beton in der Pogromnacht 1938 nicht zu zerstören. Dem Anfang der 1960er Jahre errichteten modernen Innenausbau folgte in den 1980er Jahren eine Teilrekonstruktion Richtung Originalzustand. Die nicht mehr religiös genutzte Synagoge sollte als Begegnungs- und Ausstellungshaus optimiert werden. Uns ging es darum, im Hauptraum eine möglichst originale Hängeleuchteninstallation neu zu interpretieren mit zeitgemässer Licht- und Tontechnik. Für Ausstellungen wurden alle Räume im Untergeschoss zusammengefasst. Sie bilden eine abfallende spannend zu nutzende Einheit.
ehemalige Gesenkschmiede Hendrichs, Rheinisches Industriemuseum, Standort Solingen
www.kulturwest.de schreibt: ›Im Rahmen der »Regionale 2006« zeigt sich Solingen als ein von der Industrie geprägter Ort, der um seine Vergangenheit weiß und an seine Zukunft glaubt. Die Ausstellung »Starke Marken« bietet anhand von Markenprodukten einen Überblick über einhundert Jahre Wirtschafts- und Stadtgeschichte. … Das verbindende Element ist die Ausstellungsarchitektur, vom »Büro Prof. Jürg Steiner, Wuppertal« konzipiert, die nach dem Prinzip der Gewerbeausstellung die Objekte angenehm sachlich präsentiert. Einfache Metallregale, offene Regalböden, Vitrinenelemente und hölzerne Infotafeln bilden ein modulares System, das sich nicht aufspielt und sich nicht wichtiger nimmt als die Ausstellungsstücke.‹
Zeche Zollverein – ehemalige Kohlenwäsche, Essen (Wettbewerb)
Während des SONNENAUFGANGES liest der Besucher auf den WANDZEITUNGEN über tatsächliche Besonderheiten er Region. Am MORGEN studiert der Besucher historische Karten und Bildstatistiken.
Prinz-Albrecht-Gelände, Berlin-Kreuzberg (Wettbewerb)
Im Mai 2004 beschlossen die Bundesregierung und das Land Berlin, den Entwurf von Peter Zumthor für die Topographie des Terrors wegen technischer, finanzieller und inhaltlicher Risiken abzubrechen. Die bereits errichteten Rohbauteile wurden im Winter 2004/2005 abgerissen und das Gelände sollte weitgehend in seinen ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden. Damit scheiterte nach dem Wettbewerb von 1983/84 auch der zweite Wettbewerb von 1993.
Gleichzeitig blieb der Bedarf nach einem Dokumentations- und Besucherzentrum bestehen. Ab 1997 zeigte die Stiftung Topographie des Terrors ihre Dauerausstellung entlang der von uns freigelegten Kellermauern des ehemaligen Gestapo- und SS-Geländes. Mit rund 350.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr gehört der Ort zu den meistbesuchten Erinnerungs- und Lernorten Berlins. Als authentischer historischer Ort verweist er auf die zentralen Institutionen des nationalsozialistischen Terrorapparats, von denen aus die Verfolgung und Gewalt in Europa organisiert wurden.
Ziel des neuen Wettbewerbs war es, einen realisierbaren Entwurf für die Gestaltung des Geländes und ein Dokumentationsgebäude zu entwickeln. Das Gebäude sollte sich bewusst dem Gelände unterordnen, das als zentrales „Exponat“ verstanden wird. Gefordert war eine sachliche, funktionale und zugleich würdige Architektur, die auf monumentale Gesten verzichtet und die Aufmerksamkeit auf die historischen Spuren des Ortes lenkt. Die Topographie des Terrors wurde dabei in erster Linie als Ort der wissenschaftlichen, pädagogischen und historischen Aufarbeitung verstanden.
Das vorgeschlagene Konzept sah ein flaches Gebäude mit minimalem Flächenbedarf vor. Im Erdgeschoss befinden sich die öffentlichen Bereiche – Foyer, Dauer- und Wechselausstellung sowie Veranstaltungsflächen – die sich in alle Richtungen zum Gelände öffnen und eine enge Verbindung zwischen Innen- und Außenraum schaffen.
Auch die Gestaltung der Freiflächen folgte einem offenen und zurückhaltenden Ansatz: Statt Rekonstruktionen wurden vorhandene Spuren sichtbar gemacht und durch minimale Eingriffe lesbar gehalten. Elemente wie sogenannte »Eckfahnen« markieren die ehemaligen Gebäudestrukturen, um Besucherinnen und Besuchern die historische Topografie des Ortes nahe zu bringen. Insgesamt zielte das Konzept darauf ab, die Geschichte des Ortes mit möglichst wenigen baulichen Mitteln erfahrbar zu machen und den historischen Ort selbst in den Mittelpunkt zu stellen.